Vorträge

08.12.2020

Marco Fatfat

Wie weit darf Tierrechtsaktivismus gehen?

Tierrechtsaktivist*innen und mit ihnen nicht wenige Philosoph*innen sind überzeugt, dass zahlreiche, gegenwärtig völlig legale Formen der Nutzung nichtmenschlicher Tiere ein massives moralisches Unrecht darstellen und drängen vor diesem Hintergrund auf rasche politische Veränderungen. In der Regel halten sich Aktivist*innen dabei an den Rahmen des gesetzlich Erlaubten, mitunter bewegen sie sich aber an dessen Grenzen oder gar darüber hinaus - man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an Undercover-Filmaufnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben oder Tierbefreiungen.

Wie aber sind derartige Aktionen - aus einer stärker moralphilosophisch und demokratietheoretischen Perspektive betrachtet - genauer einzuordnen? Im Mittelpunkt des Vortrags sollen konkreter folgende Fragen stehen: Inwieweit können illegale aktivistische Interventionen als "ziviler Ungehorsam" in einem liberalen Rechtsstaat gerechtfertigt werden? Und müssten Vertreter*innen von Tierrechten - nimmt man die Idee gewichtiger individueller Tierrechte ernst - unter Umständen gar einräumen, dass auch weniger zivile Aktionen gerechtfertigt sein könnten, um die Rechte von Tieren zu schützen? Tierethische Fragestellungen, so soll deutlich werden, greifen auf die Grundlagen unseres Nachdenkens über das Verhältnis von Moral, Recht und Demokratie aus. Der Vortrag soll dazu beitragen, aufzuklären, welche normativen Überlegungen dabei zu berücksichtigen und wie diese zu gewichten sind.


                                                                                     05.01.2021

Dr. Daniel Wawrzyniak

Genveränderung zum Wohle des Tiers? - Die Anpassung von Nutztieren aus philosophischer Sicht

Die Lebensqualität von Tieren innerhalb der Nutztierhaltung steht fortlaufend in der Kritik. So werden beispielsweise Erkrankungen bemängelt, die durch die Haltung einer großen Anzahl von Tieren auf kleiner Fläche und damit einhergehenden hygienischen Problemen verursacht bzw. verstärkt werden. Eine mögliche Strategie zur Vermeidung solcher Tierwohlprobleme besteht in der genetischen Anpassung von Tieren an ihre Haltungsbedingungen, beispielsweise indem Tiere gezüchtet werden, die gegen häufige, innerhalb der Nutztierhaltung auftretende Krankheiten resistent sind. Gleichzeitig wird innerhalb der Tierwohlforschung zunehmend aber auch ein ethischer Anspruch vertreten, wonach eher die Haltungsumwelt an das betroffene Tier angepasst werden sollte und nicht umgekehrt.

Dieser Anspruch jedoch scheint einerseits derzeit nicht konsequent durchgehalten zu werden, angesichts der fortdauernden Weiterentwicklung von Zuchtlinien robusterer und krankheitsresistenterer Tiere. Andererseits ist zu klären, warum genau wir uns nach einem solchen Anspruch überhaupt richten sollten, wenn als Resultat doch offenbar weniger Tierwohlprobleme folgen würden. Als häufiger Einwand gegen die genetische Veränderung von Tieren wird auf die Gefahr von "Qualzuchten" hingewiesen sowie auf empirisch bedingte Leiderzeugung bei Versuchstieren im Rahmen der Entwicklung neuer Zuchtlinien. Jedoch scheint aus philosophischer Sicht die Anpassung von Tieren auch dann noch moralisch fragwürdig, wenn wir ein umfangreiches Wissen und die notwendigen Innovationen zur Hand hätten und damit die genannten Risiken nicht bestünden.

Daniel Wawrzyniak argumentiert, dass die erfolgreiche Anpassung von Tieren zwar das Vermeiden heutiger typischer Tierwohlprobleme ermöglichen könnte, dies jedoch zugleich der eigentlichen Grundmotivation widerspricht, die uns moralische Gründe dafür gibt, uns für das Wohl anderer Individuen zu interessieren und ihnen gegenüber rücksichtsvoll zu handeln. Ich verstehe dabei Tierwohl als ein komplexes Konzept, bei dem nicht allein das resultierende Leid oder die positiven Erlebnisse eines Tiers zählen, sondern auch eine Haltung authentischer Rücksichtnahme ihnen gegenüber bedeutsam ist. Ziel dieser Auseinandersetzung ist, eine bessere Orientierung für einen rücksichtsvollen Umgang mit Tieren zu erlangen, indem zur kritischen Selbstreflexion darüber angeregt wird, wer wir - moralisch gesprochen - sein wollen und was dies für die Legitimität unserer Handlungen gegenüber anderen Lebewesen bedeutet.


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