Referent*innen 2019/2020

Dr. Friederike Schmitz

Friederike Schmitz hat Philosophie studiert und sich nach einer Promotion in der theoretischen Philosophie schwerpunktmäßig mit der Ethik und Politik des Mensch-Tier-Verhältnisses beschäftigt. Sie ist Herausgeberin des Buches "Tierethik. Grundlagentexte" (Suhrkamp 2014), Autorin der Einführung "Tierethik kurz + verständlich (Compassion Media 2017) sowie mehrerer Aufsätze zum Thema. Über die Auseinandersetzung mit der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung hat sie sich in die wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskussion um die Agrarwende eingearbeitet. Seit mehreren Jahren ist sie freiberuflich als Autorin, Referentin und Moderatorin tätig und engagiert sich daneben in der Tierrechts- und Klimabewegung. Sie betreibt den Blog agrarrevolution.de; mehr Infos zur Person außerdem hier:  www.friederikeschmitz.de

Prof Dr. Dr. Dieter Birnbacher

Die Beschäftigung mit ethischen Problemen des Mensch-Tier-Verhältnisses hat bei Dieter Birnbacher zwei Hintergründe: erstens seine Sympathien für die ethische Theorie des Utilitarismus, die seit dem 18. Jahrhundert die empfindungsfähigen Tiere in den Kreis der ethisch beachtlichen Wesen aufgenommen hat; zweitens die Beschäftigung mit der u. a. vom Buddhismus beeinflussten Philosophie Schopenhauers, neben Albert Schweitzer der wirkungsmächtigste Pionier der Tierethik in Deutschland.


Dr. Philipp von Gall

Philipp von Gall hat Agrarökonomie in Göttingen, Paris und Berlin studiert und danach zunächst als Berater u.a. für die Europäische Kommission gearbeitet. Er kehrte an die Universität zurück, weil er nach Erklärungen für das politische Mensch-Tier-Unverhältnis suchte, das sich in den Lebensbedingungen von Schweinen, Rindern und Hühnern offenbart. Seine Recherchen führten ihn zur Konzeption des Tierschutzgesetzes in der Bundesrepublik der 1970er Jahre. Die zentrale These: Der Gesetzgeber in Deutschland konzipierte den Schutz der Tiere am Parlament und damit an der Öffentlichkeit vorbei. An der Stelle ethischer Entscheidungsgrundlagen und Rechtfertigungen klafft ein großes Loch, das ausgerechnet der landwirtschaftliche "Sachverstand" füllen soll.

Philipp von Gall spezialisiert sich seitdem als Experte für jene problematische Expertokratie im Agrarbereich. Er berät seine Klienten außerdem zu Fragen nachhaltiger Ernährung und gesellschaftlicher Akzeptanz der Landwirtschaft. Ein besonderes Interesse widmet er seit Neustem der Rolle und Wirkweise von Sprache in der Politik.

Dr. med. vet. Kirsten Tönnies

Bis 2012 eine naive Tierärztin, die glaubte, dass Probleme im Tierschutz ihre Ursachen grundsätzlich außerhalb des Einflusses der Tierärzteschaft hätten, von kriminellen Einzelfällen abgesehen. Nachdem der normative Satz "Der Tierarzt ist der berufene Beschützer der Tiere" zunächst ersatzlos aus der Berufsordnung der Tierärzteschaft gestrichen wurde, erhielt ich als Mitglied der daraufhin gegründeten, 7-köpfigen Ethikkommission der Bundestierärztekammer (BTK) tiefe Einblicke in die Funktionärsebene der Tierärzteschaft. Seitdem bin ich schockiert über den hohen Anteil der Komplizenschaft der TierärztInnen mit Tierausnutzern. Die Ausbildung zum Tierarzt bzw. zur Tierärztin dient nach meiner Beobachtung in weiten Teilen dazu, den großen Tierbereichen Tierversuchen und Agrarindustrie ökonomisch behilflich zu sein. Desensibilisierung für Tierleid ist ein Schlüsselinstrument dazu. Die hirarchischen Strukturen der Veterinäruniversitäten erschweren einen ehrlichen Diskurs über Tierschutz und helfen, die Umsetzung vernünftiger Forderungen nach mehr Tierschutz aus der Mehrheit der Bevökerung und der ehrlichen Wissenschaft, zu verzögern.


Stefan Sander

Ein Freund aus der Tierrechtsbewegung schenkte mir einmal das Buch "Das Schlachten beenden - Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, pazifistische, feministische und linkssozialistische Traditionen." Als ich es las erfuhr ich mehr über die historischen emanzipativen linken Bewegungen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich auch für die Befreiung der Tiere einsetzten. Hier will ich ansetzen und einige ihrer Kämpfe weiterführen und ihre Ideen fortentwickeln. Denn kein Tier kann sich einen gewöhnlichen traditionellen Tierschutz leisten, welcher konservative Tierwohlideologie in sein Zentrum stellt. Vielmehr braucht es einen progressiven Tierschutz, der Tierproduktion und Tierkonsum hinterfragt und Alternativen fördert. Dabei sind die gesellschaftlichen Zusammenhänge, u.a. das Wirtschaftssystem, die Klimakrise, Diskriminierungsformen, Gesetzgebungen sowie der herrschende Status-Quo zu reflektieren.
Stefan Sander ist Vorsitzender von Sozis für Tiere e.V.

Maike Riedinger

Maike Riedinger ist Doktorandin in Sozial-und Kulturgeschichte/ Human-Animal Studies an der Universität Kassel. In ihrer Promotion befasst sie sich mit der deutschsprachigen Tierpsychologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dass der Geist in der Geschichte vielfach als ein zentrales Kriterium für die Abgrenzung des Menschen von Tieren diskutiert wurde, war ausschlaggebend für die Wahl dieses Themas. An der Tierpsychologie interessiert sie besonders, welche Aushandlungsprozesse für die Produktion von Wissen über den tierlichen Geist grundlegend waren. Vor der Promotion studierte sie Soziologie, Pädagogik und Psychoanalyse an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt am Main. Zusätzlich zu ihrer akademischen Arbeit, engagiert sie sich bei Mensch Tier Bildung e.V., einem Bildungsverein, der Workshops für Kinder und Jugendliche zum Verhältnis von Menschen und Tieren in der Landwirtschaft anbietet.

Susanne Magdalena Karr

Susanne Magdalena Karr (* in München) studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Wien und promovierte in Kunst- und Kulturwissenschaften an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.
Im Laufe ihrer philosophischen Forschung konzentrierte sie sich auf die Philosophie der Mensch-Tier-Beziehungen und die künstlichen Grenzen von Natur/Kunst, Mensch/Tier und Leib/Seele. Sie ist Independent Scholar in Animal Studies und nimmt regelmäßig mit Präsentationen an internationalen Konferenzen teil.
Als systemische Lebens- und Sozialberaterin ausgebildet, hat sie ein Kurzzeitberatungsprogramm entwickelt und als Coach für wissenschaftliches Schreiben gearbeitet. Sie arbeitet als freie Kulturredakteurin und Texterin in den Bereichen Architektur, Performance, Kunst, Design und Urbanismus. Intersektionalität und der Austausch von Wissen auf neuen und unkonventionellen Wegen gehören zu ihren wichtigsten Themen. Die Verbindung verschiedener intellektueller Disziplinen spielt in ihrer Arbeit eine wesentliche Rolle.
Sie ist Mitglied bei Minding Animals International und Minding Animals Germany.

Publikationen u. a.: Verbundenheit.Zum wechselseitigen Bezogensein von Menschen und Tieren. Berlin: neofelis 2015; «Connectedness as a Source of Instruction», in: In Other Tongues, hg. von Stuart Mugridge and Richard Povall, Kingsbridge, Devon: artdotearth 2018; «Mirror Reflections as Agents of Connectedness», in Humans and Other Animals, hg. v. der Irish Philosophical Society, Dublin 2019.

www.susakarr.com

Marie Scheidmeir

Marie Scheidmeir ist Doktorandin in der Abteilung für Gesundheitspsychologie an der Universität Mainz. In ihrer Masterarbeit sowie im Rahmen eines Forschungspraktikums befasste sie sich zunächst mit psychologischer Forschung zur Wahrnehmung von Tieren sowie den Konzepten des Speziesismus, Karnismus und dem Fleischparadox. Besonders interessiert sie dabei das moralische Dilemma, welches für Menschen durch das Essen von Tieren entsteht. Dazu arbeitet sie derzeit gemeinsam mit Dr. Tamara Pfeiler an Studien zum Umgang mit dem Fleischparadox. Marie hat verschiedene Emotionsregulationsstrategien untersucht und gibt einen Einblick in die psychologischen Sichtweisen des Tiere Essens. Sie arbeitet außerdem an einem Projekt zur Evaluation politischer Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Europa und macht eine Weiterbildung für psychologische Gesundheitsförderung als Yogalehrerin (Deutsche Psychologen Akademie). Nebenbei engagiert sie sich bei der Initiative Psychologists4Future, welche sich mit den psychologischen Auswirkungen des Klimawandels befasst und die Proteste gegen den Klimawandel unterstützt.

Tom Zimmermann

Tom wurde 1987 in der DDR geboren, ein Staat der mit Tierschutz wenig am Hut hatte. Bereits in seiner Grundschulzeit nervte Tom seine Mitschüler*innen, die gesammelten Einnahmen aus einem Flohmarkt an das regionale Tierheim zu spenden. In seiner Jugend verlor er die Tiere etwas aus den Augen und tummelte sich in verschiedensten Subkulturen, wie der Punkszene. Seit nunmehr knapp 15 Jahren ist er aktiv in der Tierrechts- und auch Tierbefreiungsbewegung. Aus der Feststellung, dass diese Bewegungen stark ahistorisch argumentieren, gründete er mit weiteren Aktiven das Projekt "Das Tierbefreiungsarchiv" um diesem Phänomen etwas entgegenzusetzen. Seitdem engagiert sich Tom hauptsächlich im Bereich der historischen Arbeiten zur Tierschutz- und Tierrechtsbewegung. Dabei trifft er in seinen Recherchen die verschiedensten (historischen) Vertreter*innen der Tierbewegungen - von "Gemüseheiligen" bis hinzu "Veganarchist*innen".
Außerdem ist Tom Mitglied in der Redaktion des Magazins TIERBEFREIUNG, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Zeitschrift für Kritische Tierstudien, sowie Projektkoordinator von "Rechte für Tiere - Neonazis und andere rechte Strukturen in tierbewegungen".

Prof. Dr. Rainer E. Wiedenmann

Außerplanmäßiger Professor für Soziologie (Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt) und Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Forscht und publiziert seit Anfang der neunziger Jahre zu sozial- und kulturwissenschaftlichen Aspekten des Mensch-Tier-Verhältnisses. Thematisch einschlägige Buchveröffentlichungen: Die Tiere der Gesellschaft: Studien zur Soziologie und Semantik von Mensch-Tier-Beziehungen, Konstanz: UVK 2002. - Tiere, Moral und Gesellschaft. Elemente und Ebenen humanimalischer Sozialität, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009.